Natur und Tourismus in NepalIn Nepal gibt es sehr viele unterschiedliche Landschaften: die Prärien des Terai, mit üppigem Dschungel und Ackerland, die Terrassenfelder der Mittelgebirge, Täler, Canyons, Schluchten, Wüsten, alpine Gegenden und die höchsten Berge der Welt. Reiselustige und interessierte Menschen zog es seit jeher von überall auf der Welt nach Nepal. Zu allererst kamen sie aufgrund der jahrtausende alten Kultur und dem allmächtigen Himalayagebirge, dann war da aber auch noch die Gastfreundschaft der diversen ethnischen Gruppen in Nepal und nicht zuletzt die Abenteuer, die man beim Trekken und Rauften erleben konnte. Inzwischen zählt noch eine andere Gruppe von Reisenden zu den Besuchern Nepals: Ornithologen und Naturbegeisterte haben die Artenvielfalt und Ursprünglichkeit der nepalesischen Natur entdeckt. In Nepal finden sich 4,5% des weltweiten Bestandes an Säugetieren und Schmetterlingen, 2,7% aller Pflanzen und 8,5% der weltweit bekannten Vogelarten. Dabei macht Nepals Größe nur 0,1% der Gesamtmasse der Welt aus. Die Artenvielfalt ist also sehr hoch in diesem Land.
Zusätzlich zu dem allgemeinen Angebot von Berg- und Kultururlauben gibt es also nun die Möglichkeit, spezielle Vogel- und Wildlifetouren zu buchen. Der Shivapuri Nationalpark, die Gegend um Pokhara und die Chitwan Region bieten ein perfektes „Dreieck“ für Vogel- und Tiersafaris vor der Kulisse der mächtigen Bergmassive des Himalaya. Außerdem gibt es ein paar Stunden Fahrt östlich von Chitwan die weitreichenden Feuchtgebiete des Koshi Tappu, einer Fluss- und Seenlandschaft, in der viele Zug- und auch ansässige Vogelarten leben. Darüber hinaus leben in diesem Gebiet die vom Aussterben bedrohten Riesenbüffel und die seltenen Gangesdelphine. Der Nationalpark Shivapuri ist weltweit der einzige seiner Art, der so nah an der Hauptstadt seines Landes liegt: nur sieben Kilometer von Kathmandu entfernt findet sich dieser wunderschöne Landstrich, der jeden Naturliebhaber begeistern wird. Die Vegetation des Shivapuri-Berges ist ein sehr schönes Beispiel für Mittelgebirgswälder. Im Park sieht man vor allem Schima-Castanopsis- und Rhododendronwälder. Der Schutz des Waldes ist äußerst wichtig, da aus dieser Region das Trinkwasser für die Millionen von Bewohnern des Kathmandutales kommt. Unter anderem wachsen im Park solche botanischen „Highlights“ wie die „giant lily“, der dreifarbige Rhododendronbaum und Luculiabüsche. Die Vogelarten im Park entsprechen der typischen Fauna der tiefergelegenen himalayischen Regionen: kalij pheasant, nepal fulvetta, steaked/white crested/chestnut crowned-laughing thrushes, streak breasted/rusty cheeked scimitar babbler, hoary-throated barwing, black-faced warbler, chestnut/blue tailed minla, black chinned babbler, chestnut headed tesia, bonelli's/booted und crested serpent eagle (An dieser Stelle und auch im folgenden Text werden jeweils die englischen Bezeichnungen der Vogel- und Tierarten verwendet, da diese bei Führungen in Nepal ebenfalls verwandt werden.). Den whistling thrush findet man häufig, die spotted/slaty backed forktails kann man am Fluss und im feuchten Gestrüpp beobachten. Zum „Wildlife” dieser Region gehören barking deer, himalayan black bear, goral, serow, und leopards. Einmal wurde sogar ein schwarzer Leopard in diesem Park beobachtet. Anscheinend ist die Population der Leoparden hier im Park groß genug und es gibt ausreichend Jagdmöglichkeiten, dass so eine Genvariation möglich wurde. Die relict dragonfly lebt ebenfalls im Shivapuri Nationalpark. Die fossile Form dieser Spezies hat man bisher nur in Japan gefunden. Außerdem gibt es zahlreiche seltene und wunderschöne Schmetterlinge: kaiser-I-hind, krishna peacock, common and golden birdwing. Eine lange und im Tal entlang des Flusses Gandaki gewundene Straße führt von Kathmandu westlich nach Pokhara. Die Strecke ist etwa 200 Kilometer lang. Während der Fahrt hat man wunderschöne Ausblicke aus der Fischperspektive auf das Annapurnamassiv. Es gibt die Möglichkeit, bei einer morgendlichen Bootsfahrt auf dem See Phewa den grandiosen Ausblick auf den Fischschwanzberg und das Annapurnamassiv samt dem Mt. Dhaulagiri zu genießen. Im Wald um den See herum finden sich Vögel wie die green magpie, außerdem der racquet tailed drongo, long tailed minivets, barbets, und crimson sunbird. Auf dem See überwintern viele Enten- und Wattvogelarten aus nördlicheren Regionen wie z.B. Sibirien. In dem Tal rund um den See leben alle Arten von Geiern, die in Nepal zu finden sind: lammergeier mit drei Metern Spannweite, himalayan griffon, white-rumped and slender billed vulture, der resident Egyptian vulture. An den Gebirgsflüssen können alle in Nepal lebenden forktail Arten beobachtet werden (little, slaty, spotted and black backed), außerdem plumbeous, white-capped redstart und manchmal ein brown dipper. Die steilen Felswände ziehen die bunten wall creepers an. Auf dem See kann man auch Sportfischen betreiben.
Ein paar Stunden Fahrt von Pokhara entfernt liegt Chitwan, eine Gegend wie aus dem „Dschungelbuch“ von Kipling. Auf der Fahrt entlang des Trishuli Flusses gibt es die Möglichkeit, den seltenen ibisbill zu entdecken. Früher waren in Chitwan die königlichen Jagdgründe, heute ist es der bestgeführte Nationalpark von ganz Asien. Hier leben über 550 Rhinozerosse und 100 Tiger. Ein Highlight des Besuches dieses Parkes ist der Ritt auf dem Rücken eines gezähmten Elefanten. Von hier oben kann man solch lebende Fossilien wie das Rhinozeros aus nächster Nähe beobachten. Glückliche Besucher erhaschen einen Blick auf einen der seltenen und scheuen bengalischen Königstiger oder Leoparden. Andere Tiere, die in dieser Gegend ihr Zuhause haben, sind barking deer, wildboars, gaur Bisons, Faultiere, Bären, Zibetkatzen, Languren und Rhesusaffen etc. Das Sumpfgebiet und der Fluss beherbergen vom Aussterben bedrohte Gharial- und Sumpfkrokodile. Die Vogelarten, die in dieser Region leben, sind peafowl, Bengal florican, giant hornbill, storks of different kinds (wooly necked, lesser adjutant, open-bill, black, black-necked), sultan tit, orange-breasted green pigeon, red headed trogon, Indian pitta. Weitere sechs Stunden Fahrt von Chitwan entfernt liegt Koshi Tappu, die erste Ramsar Site von Nepal. Koshi ist das größte Flusssystem von Nepal. Um sich vor Überflutungen zu schützen, gibt es entlang des Flusses große Feuchtgebiete, Grünland und Sandbänke. Hier überwintern viele Wasser- und Wattzugvögel. Genauso sehr eignet sich das Gebiet für Raub- und Waldvögel. Besonders hervorzuheben sind an dieser Stelle die teilweise vom Aussterben bedrohten swamp francolin, imperial eagle, red headed falcon, falcated teal, ferruginous ducks, white ibis, black ibis, striated marsh-bird, brown fish owl, brown hawk owl, purple swamphen. Darüber hinaus ist das Gebiet die einzige Rückzugsmöglichkeit für den vom Aussterben bedrohten Wasserbüffel geworden, von denen es insgesamt nur noch etwa 150 Exemplare gibt. Der seltene Gangesdelphin findet hier ebenfalls hervorragende Lebensbedingungen. Scheue nachtaktive Großkatzen fischen in den Sümpfen dieses Reservats. Wenige Stunden nördlich von Koshi liegt der Milke-Jaljale Bergrücken. Der Wald dort ist etwa 25km lang und liegt auf einer Höhe von 8000ft bis 10000ft (etwa 2600m bis 3300m). Hier findet man über 30 verschiedene Arten von Rhododendronbäumen. Jomson ist eine wichtige Gegend, um die Wanderung der Demoiselle Kraniche zu beobachten. Über 30000 Kraniche fliegen im Herbst während der Wanderzeit durch das Tal. Das Gleiche gilt für Naundanda in der Nähe von Pokhara: hier ziehen vor allem Raubvögel wie der Steppe Adler bei ihrer Wanderung meist Anfang November vorbei. Die vielen Flüsse und Seen von Nepal bieten sich an zum Sportfischen. Fische, die hier gefangen werden können sind mahsheer, gonj, saur, kanti und buari catfish. Die flachen Gewässer der Flüsse Karnali, Babai, Mahakali und Trishuli und die Zuflüsse von Koshi genauso wie der Phewa See eignen sich besonders zum Angeln von mahsheer. Während eines zweiwöchigen Aufenthaltes in Nepal ist es wahrscheinlich, nicht weniger als 300 verschiedene Vogelarten zu Gesicht zu bekommen. Dabei gibt es natürlich regionale Unterschiede, aber die Vielfalt ist überall enorm. Haben Sie Interesse an der Vielfalt der nepalesischen Flora und Fauna, dann empfehle ich Ihnen eine gut zwei Wochen dauernde Reise durch die oben beschriebenen Regionen. |