Hintergrund und Wegbeschreibung

Im Jahr 724 gründete der damalige König Gunakamadev „Yen“, wie die Stadt Kathmandu früher hieß. Der Schutzgott dieser Stadt ist Bairab, im Volksmund auch Aaju Dyo genannt. Beim Haupteingang finden sich acht Göttinnen, die sogenannten Ajimas. Sie stehen an den Ecken einer Figur, die Khadga heißt: in ihr liegt ein Schwert in einer Figur mit einem dreieckigen Kopf und einem rechteckigen Körper. Der König weihte den neu gegründeten Staat, der damals an die 1800 Häuser fasste, an einem Vollmondtag ein: am Yendyaa Punhi im Monat des Bhadra. Die Grenzen des alten Kathmandu wurden von schützenden Mauern umgeben, die 33 Tore und die gleiche Anzahl von sogenannten Toles, Blöcken, hatten. Der Stadtkern hatte eine Länge von 1,5 Meilen und eine Breite von weniger als einer halben Meile. Wenn wir heute am Durbar Square stehen, können wir die ehemalige Stadtgrenze in 10 Minuten zu Fuß erreichen. Im Inneren der alten Stadt finden sich 113 buddhistische Höfe und Klöster (bahals). Um den alten Stadtkern herum liegen weitere 17 solcher Höfe und Klöster. Insgesamt gibt es im Zentrum an die 1800 Stupas und Chaityas, die die Lehren Buddhas demonstrieren und weiter verbreiten sollen. In der Stadt gibt es außerdem 32 nasa dyo Tempel (Gott der Etikette und der Darbietung von Musik, Tanz und anderen Künsten), vier Narayan Tempel, 26 Ganesh Tempel, 107 Wasserbecken, 16 Ajima Tempel und Abstammungshäuser (Dyochen).

1750 ließ König Jaya Prakash Malla den Tempel für die lebende Göttin Kumari bauen. Er gründete das Festival zu Ehren der Götter Bhairab, Ganesh und der Göttin Kumari, das im Herbst um die Tage Indra Jatra und Yendya Punhi in den Strassen der Ober- und Unterstadt (Thanye und Kwonye) von Kathmandu stattfindet. Außerdem findet noch eine Streitwagenprozession vier Tage nach dem Indra Jatra Festival statt, am so genannten Nanichaya. Diese Prozession startet in Kilagal und es gibt sie überhaupt nur auf Nachfragen der königlichen Konkurbinen (Nani), die die Prozession gerne von ihren Häusern aus verfolgen wollten.

1786 ließ König Gorkha Prihvi Narayan Shah das Herz der Stadt nach einer Invasion erweitern. Frühere Stadtmauern wurden eingerissen und die Dörfer, die sich um die Stadt herum gebildet hatten, wurden „eingemeindet“. So entstand die heutige Metropole Kathmandu. In dem Stadtrundgang werden wir die Sehenswürdigkeiten der alten Zeit besuchen. Im Folgenden werden einige der Hauptattraktionen auf dem Weg beschrieben.

PACHALI BHAIRAB
König Gunakamadev ließ Pachali Bhairab als Torhüter am Südeingang in der Nähe des Ufers des Bagmati Flusses bauen. In dieser Zeit wurden die Türen aller Häuser, Tempel und dyochen dreieckig gebaut. Auf jede Tür wurden Augen und Schwert gemalt, um die Gegenwart von Bhairab kund zu tun. Jedes Jahr am fünften Tag des zwölfen Mondmonats Kaula (im September oder Oktober) findet das Festival zu Ehren von Pachali Bhairab statt. Während dieser Zeit wird die Statue des Gottes in seinem Heiligtum aufgestellt. In einer Nachtprozession tragen die Bauern die Pachali con, ein großes metallisches Gefäß durch die Strassen von Kwonye und machen das Symbol Bhairabs, in dem sie ihre Hände in den Himmel heben. Die Prozession startet am Pachali und führt über den Durbar Square hierhin zurück. Das Gefäß wird dann bis zum nächsten Jahr wieder hier verwahrt. Auch der traditionelle Bhairab Tanz, den König Amar Malla 1460 zum ersten Mal inszenierte, wird heute noch alle 12 Jahre zu Ehren Pachalis aufgeführt.

Wir gehen weiter durch Machali-, Inakha-, Brahma-Tole und den Tukan Bahal-Narayan Tempel. Es gibt in Kathmandu vier Haupttempel des Narayan oder auch Lord Vishnu. Der Nem Narayan Schrein liegt in der Nähe der südlichen Grenze des alten Kathmandu. Dieser Tempel stammt aus dem Jahre 725. Andere Tempel, die während der Malla Dynastie im 17. Jahrhundert gebaut wurden, sind der Wande Narayan, der Ikha Narayan und der Atak Narayan.

JAISI DEWAL
Lasmi Narayan war ein mächtiger Minister in der Regierungsperiode des Königs Bhupalendra Malla. Dieser Minister ließ diesen acht Sockel hohen Tempel 1688 bauen. Im Volksmund wird er Jaisi Dewal genannt und wurde dem Lord Shiva gewidmet. Ein ähnlicher Tempel wurde 1692 von der Königin Riddhi Laxmi in Basantapur gebaut. Er heißt Majju Dewal Tempel und ist um einen Sockel höher als der Jaisi Dewal.

KWOHITY
Das ist das Abwassersystem von Kwone, der unteren Stadt von Kathmandu. Hier wohnt die Arbeiterklasse der Gesellschaft. Es sind vor allem Künstler, Bauern und andere Dienstleister, die in dieser Gegend wohnen. Wann das System gebaut wurde, ist nicht bekannt, aber 1780 wurde es renoviert. Wir gehen weiter durch die Straßen von Chikanmugal und kommen am Atak Narayan vorbei. Wir gehen weiter nach Kasthamandap.

KASTHAMANDAP
Das Gästehaus für Händler der Maru tole wurde aus einem einzigen Baum gebaut. Dieser Baum wurde von Kaopa Briksha gespendet. Er kam einst als Gefangener, um sich das Wagenrennen von Amoghapas Lokeswor (auch Jana Baha dyo genannt) anzusehen und verhandelte mit seinen Wärtern, dass er den Baum als Gegenleistung für seine Freilassung geben würde.

KABINDRAPUR
Dieses nasa dyo in Maru Tole wurde von König Pratap Malla gebaut. Er nutzte es für Tanzaufführungen und musikalische Zeremonien. Es gibt in Kathmandu 32 nasa dyo. Dieses Haus wurde nach dem Erdbeben von 1932 wieder aufgebaut.

ASHOK BINAYAK
Das ist einer der vier Haupttempel des Gottes Ganesh in Kathmandu. Er wurde im 18. Jahrhundert während der Regentschaft des Königs Gunkamdev gebaut. Er hat keine Spitze wie die anderen Tempel und wird deswegen in der Allgemeinheit Maru Ganedyo genannt.

Wir gehen weiter nach Yetkha Bahal, wo sich eine buddhistische Stupa befindet. Sie ist ein schönes Beispiel für die Steinarchitektur aus der Zeit, in der das Holz knapp war.

Unser nächstes Ziel ist Itum Bahal, wo wir durch die Chakachhen Galli hinkommen. Es ist das größte bahal, das von 100 Bajracharyas und 400 Shakya Familien bewirtschaftet wird. Keshchandra baute es im 11. Jahrhundert. Er wurde durch seine Tauben, die der Sage nach sein verdorbenes Schrot aßen und darauf hin Gold produzierten, reich. Er baute Tundikhel für seinen Arbeiter Gurumapa. Diesem Arbeiter werden jedes Jahr in der Tundikhel Parade, die während des Ghode Jatra Festivals stattfindet, 80 Pounds Reis und ein Buffalo geopfert.

Unsere Route führt uns jetzt weiter durch Kilagal mit seinem Pulu Kishi Chhen. Danach erreichen wir Jana Bahal. Das ist das Zuhause der wichtigsten Gottheit von Kathmandu, Jan Baha dyo (auch weiße Machhindra Nath oder Amoghapasa Lokeshwar genannt). Das Lokeshwar Wagenrennenfestival dauert jedes Jahr im April drei Tage an und findet im Stadtzentrum statt. Die Gottheit wird angebetet für Langlebigkeit, Wohlstand und guten Regen.

ASON AJIMA
Ason Ajima ist bekannt als Annapurna Devi. Sie wird in der Form der Purna Kalash angebetet – eine „heilige Vase, die mit Korn gefüllt ist“. Der Tempel wurde im Jahr 987 von ansässigen Händlern gebaut, die um Wohlstand und die Heilung von Kinderkrankheiten baten. 1942 wurde der Tempel renoviert. Die Gottheit wird an Sonntagen geehrt. Dieser Ort ist ansonsten das wichtigste Handelsdrehkreuz im alten Teil von Kathmandu.

Von hieraus gehen wir weiter nach Teuda- und Dhwaka Bahal. Dieses Bahal hat vier verschiedene Bilder von Buddha, die von Wandpfeilern und Beschlägen umgeben sind. Diese sind so angeordnet und mit Ornamenten versehen, dass man das Gefühl hat, auf einen Kosmos aus Blättern und Grünpflanzen zu schauen. Hier wohnt der Gun Jyoti, der Chusya Bahal gebaut hat, dass für seine feine Holzarchitektur und –schnitzerei bekannt ist.

Danach kommen wir nach Nagah Bahal und Sigha Bahal, welches von Wak Bajra gebaut wurde. Er hat im Jahr 1670 – zu Zeiten des Königs Nripendra Malla - die buddhistische Stupa den ganzen Weg von Banaras hierher gebracht, einzig und allein mit der Hilfe von einem Strang. Er lud die Shakya Familine von Ason Tole ein, in seiner Gemeinde zu leben und die jährlichen Festivals der Stupa zu feiern.

Nachdem wir Sigha Bahal besucht haben, gelangen wir nach Thahity, auch bekannt als Thane. Es handelt sich um das Wasserleitungssystem der Oberstadt. Der Platz hat eine weiße Chaitya, die von Wak Bajra gebaut wurde. Der Sage nach floss früher in den Rohren goldener Sand. Dieser Platz markiert das Ende des Stadtteils. Hier wohnen vor allem Menschen aus der oberen Schicht, Priester und Kaufleute.

KWA BAHAL
Das ist das Zuhause des tantrischen Priesters Wak Bajra, der die eben besichtigte Stupa Sigha Chaitya den ganzen Weg aus Benaras nach Kathmandu brachte. Nachdem er die Stupa aufgebaut hatte, kam er in dieses Haus, um den Rest seines Lebens mit Meditation zu verbringen. Dieses Bahal hat seine eigene Kumari.

Thamel, THAMBAHI
Thambahi wurde von Singha Sarth Bahu gebaut, der mit 500 Arbeitern aus Lhasa im 11. Jahrhundert nach Kathmandu zurückkam. Während Holi Punhi (Vollmond) wird sein Portrait (bekannt als Chakandeo) aufgehängt und alle feiern seine heroische Tat, mit denen er die Dämonen, die ihm aus Tibet gefolgt waren, in die Flucht geschlagen hat.